Innenputz erneuern: Schimmel, Risse & alte Tapeten beseitigen

Rissiger Putz, Schimmelflecken oder alte Tapeten? Wir erklären wann du selbst Hand anlegen kannst und wann ein Fachmann nötig ist.

Risse in der Wand, abblätternder Putz oder dunkle Flecken in der Ecke – die Innenwände erzählen viel über den Zustand eines Hauses. Besonders in Altbauten begegnen dir diese Probleme regelmäßig. Aber keine Panik: Vieles davon kannst du selbst beheben. Wichtig ist nur zu wissen, wann du es mit einem oberflächlichen Problem zu tun hast und wann eine tiefere Ursache dahintersteckt.

Typische Probleme mit Innenputz

Risse in der Wand

Risse sind vermutlich das häufigste Problem. Aber Riss ist nicht gleich Riss:

  • Haarrisse (unter 0,2 mm): Fast immer harmlos. Entstehen durch normales Setzen des Gebäudes oder durch Temperaturschwankungen. Lassen sich einfach überspachteln.
  • Spannungsrisse (0,2–1 mm): Deuten auf Bewegungen im Mauerwerk hin, zum Beispiel durch Setzungen. Sollten beobachtet werden.
  • Strukturelle Risse (über 1 mm): Hier wird es ernst. Große, sich vergrößernde Risse können auf statische Probleme hinweisen. Lass das unbedingt von einem Fachmann begutachten, bevor du einfach drüberspachtelst.

Faustregel: Wenn ein Riss breiter als ein Streichholz ist oder sich verändert, sollte ein Profi draufschauen.

Schimmel an der Wand

Schimmel ist nicht nur hässlich, sondern auch gesundheitsgefährdend. Die Sporen können Atemwegsprobleme und Allergien auslösen. Bevor du den Schimmel behandelst, musst du die Ursache finden:

  • Falsches Lüften: Die häufigste Ursache. Feuchtigkeit kondensiert an kalten Wänden, besonders hinter Möbeln und in Ecken.
  • Wärmebrücken: Baulich bedingte Kältebrücken, an denen die Wandoberfläche zu kalt wird.
  • Undichtigkeiten: Eindringendes Wasser durch defekte Rohre, undichte Fenster oder Fassadenschäden.
  • Aufsteigende Feuchtigkeit: Bei Altbauten ohne Horizontalsperre kann Feuchtigkeit aus dem Erdreich in die Wände ziehen.

Wichtig: Schimmel einfach überstreichen bringt nichts. Er kommt zurück, wenn die Ursache nicht behoben ist.

Abblätternder und hohler Putz

Wenn der Putz sich von der Wand löst oder beim Klopfen hohl klingt, hat er keine Verbindung mehr zum Untergrund. Das passiert bei:

  • Alter Putz, der seine Lebensdauer überschritten hat
  • Feuchtigkeit, die den Haftgrund zerstört hat
  • Schlechter Verarbeitung beim Auftragen

Hohlstellen müssen entfernt und neu verputzt werden – einfach drüberstreichen hält nicht.

Selbst machen oder Fachmann beauftragen?

Was du selbst machen kannst

Kleine Risse spachteln: Haarrisse und kleine Spannungsrisse lassen sich mit Acryl oder Reparaturspachtel einfach füllen. Öffne den Riss leicht mit einem Spachtel, grundiere ihn und fülle ihn auf. Nach dem Trocknen glattschleifen und überstreichen.

Tapeten entfernen: Alte Tapeten ablösen ist Fleißarbeit, aber kein Hexenwerk. Einweichen mit Tapetenlöser und Wasser, dann mit dem Spachtel abziehen. Bei hartnäckigen Fällen hilft ein Dampftapetenablöser – gibt es in jedem Baumarkt zum Leihen.

Kleinflächig verputzen: Kleine Stellen bis etwa einem halben Quadratmeter kannst du selbst neu verputzen. Fertigputz aus dem Baumarkt auftragen, mit der Glättkelle verteilen und glatt abziehen.

Oberflächlichen Schimmel behandeln: Bei Schimmelbefall unter 0,5 Quadratmetern kannst du selbst aktiv werden. Befallenen Putz abkratzen, mit 70-prozentigem Isopropanol desinfizieren und mit Antischimmelfarbe überstreichen.

Wann der Profi ran muss

  • Schimmelbefall über 0,5 Quadratmeter: Hier ist eine professionelle Schimmelsanierung nötig. Die Ursache muss durch einen Gutachter identifiziert werden.
  • Ganze Wände neu verputzen: Großflächiges Verputzen erfordert Übung und das richtige Timing. Ein Profi schafft eine glatte Oberfläche, die du als Laie kaum hinbekommst.
  • Strukturelle Risse: Wenn Risse auf statische Probleme hinweisen, gehört ein Bauingenieur oder Statiker ins Boot.
  • Feuchtigkeitsschäden: Aufsteigende Feuchtigkeit oder undichte Stellen erfordern eine fachgerechte Diagnose und Abdichtung.

Innenputz erneuern: Anleitung für Heimwerker

Material und Werkzeug

  • Fertigputz (Kalk- oder Gipsputz, je nach Raum)
  • Grundierung/Tiefengrund
  • Putzschienen (bei größeren Flächen)
  • Glättkelle und Traufel
  • Schleifpapier (Körnung 120–180)
  • Abdeckfolie und Kreppband

Schritt 1: Alten Putz entfernen

Klopfe die Wand ab und markiere hohle Stellen. Lose und hohle Bereiche mit Hammer und Meißel entfernen. Arbeite dabei von oben nach unten und trage eine Staubmaske.

Schritt 2: Untergrund vorbereiten

Staub und lose Teile abbürsten. Grundierung auftragen und mindestens 12 Stunden trocknen lassen. Die Grundierung sorgt dafür, dass der neue Putz haftet.

Schritt 3: Putz auftragen

  • Kalkputz für Feuchträume (Bad, Küche) – reguliert Feuchtigkeit und wirkt schimmelvorbeugend
  • Gipsputz für trockene Wohnräume – lässt sich leichter verarbeiten und ergibt glattere Oberflächen

Trage den Putz mit der Traufel in gleichmäßiger Schichtdicke auf (10–15 mm). Mit der Glättkelle die Oberfläche abziehen und glätten.

Schritt 4: Trocknen lassen

Gipsputz braucht etwa eine Woche zum vollständigen Durchtrocknen, Kalkputz zwei bis drei Wochen. Lüfte regelmäßig, aber heize nicht zu stark – das kann zu Rissen führen.

Schritt 5: Schleifen und streichen

Nach dem Trocknen die Oberfläche mit feinem Schleifpapier glätten, grundieren und in der gewünschten Farbe streichen.

Kosten für Innenputz erneuern

LeistungKosten pro qm
Alten Putz entfernen8–15 €
Untergrund vorbereiten3–5 €
Neuen Putz auftragen15–30 €
Spachtel- und Schleifarbeiten5–10 €
Gesamt (vom Fachmann)30–60 €

Bei einem durchschnittlichen Raum mit 40 Quadratmetern Wandfläche liegst du also bei 1.200 bis 2.400 Euro für eine professionelle Erneuerung des Innenputzes.

Selbst gemacht sparst du die Arbeitskosten und kommst mit Material auf etwa 5–10 Euro pro Quadratmeter.

Innenputz im Kontext einer Gesamtsanierung

Wenn du ohnehin eine größere Sanierung planst, ist es sinnvoll, die Putzarbeiten mit anderen Maßnahmen zu koordinieren. In einem Altbau die richtige Reihenfolge einzuhalten spart Zeit und Geld.

Typische Reihenfolge:

  1. Elektro- und Sanitärinstallationen
  2. Putzarbeiten
  3. Estrich und Trocknung
  4. Bodenbelag verlegen
  5. Malerarbeiten

Wer die Reihenfolge durcheinanderbringt, muss im schlimmsten Fall Arbeiten doppelt machen lassen.

Schimmel dauerhaft vermeiden

Nach der Sanierung willst du natürlich, dass der Schimmel nicht wiederkommt. Die wichtigsten Maßnahmen:

  • Richtig lüften: Drei- bis viermal täglich Stoßlüften, je fünf Minuten. Dauerkipplüften kühlt die Wände aus und fördert Schimmel.
  • Möbel abrücken: Lass mindestens 5–10 cm Abstand zur Außenwand, damit die Luft zirkulieren kann.
  • Heizen: Auch wenig genutzte Räume sollten mindestens 16 Grad warm sein.
  • Feuchtigkeit messen: Ein Hygrometer kostet wenige Euro und zeigt dir die Luftfeuchtigkeit. Ideal sind 40–60 Prozent.
  • Kalkputz verwenden: In feuchtigkeitsbelasteten Räumen wirkt Kalkputz durch seinen hohen pH-Wert schimmelhemmend.

Einen seriösen Handwerker für Putzarbeiten findest du am besten über persönliche Empfehlungen oder regionale Handwerkerportale.

Fazit: Die meisten Putzprobleme sind lösbar

Rissiger Putz, Schimmel und alte Tapeten klingen schlimmer als sie sind – zumindest in den meisten Fällen. Kleine Schäden kannst du mit etwas Geduld und dem richtigen Material selbst beheben. Bei größeren Problemen oder wenn Feuchtigkeit im Spiel ist, lohnt sich die Investition in einen Fachmann. Die Wände sind schließlich die größte Fläche in jedem Raum – und wenn die stimmen, fühlt sich alles besser an.