Handwerkerrechnung prüfen: Worauf du achten musst

Nicht jede Handwerkerrechnung ist korrekt. Wie du Rechnungen prüfst, typische Fehler erkennst und zu viel bezahlte Beträge zurückforderst.

Die Sanierung ist fertig, die Rechnung liegt auf dem Tisch – und der Betrag ist deutlich höher als erwartet. Bevor du bezahlst, solltest du die Rechnung sorgfältig prüfen. Denn Fehler sind häufiger als du denkst.

Was muss auf einer Handwerkerrechnung stehen?

Eine korrekte Handwerkerrechnung enthält diese Pflichtangaben:

  • Name und Anschrift des Handwerkers und des Auftraggebers
  • Steuernummer oder USt-IdNr. des Handwerkers
  • Rechnungsnummer (fortlaufend)
  • Rechnungsdatum
  • Leistungszeitraum (wann wurde die Arbeit ausgeführt?)
  • Art und Umfang der Leistung (detailliert, nicht pauschal)
  • Einzelpreise für Material und Arbeitszeit, getrennt aufgeführt
  • Umsatzsteuer (19 % bzw. 7 %) separat ausgewiesen
  • Bruttobetrag
  • Zahlungsfrist

Wichtig für die Steuer: Für die steuerliche Absetzung von Handwerkerleistungen (§ 35a EStG) muss die Rechnung Lohn- und Materialkosten getrennt ausweisen. Ohne diese Trennung kannst du nichts absetzen.

Die 8 häufigsten Fehler in Handwerkerrechnungen

1. Pauschale statt detaillierter Auflistung

Problem: „Badsanierung komplett: 15.000 Euro" – das ist keine prüfbare Rechnung.

Richtig: Jede Position einzeln: Demontage (X Stunden à Y Euro), Fliesen (Z m² à W Euro), Sanitärinstallation (detailliert aufgelistet), Material (mit Stückpreisen).

2. Zu viele Arbeitsstunden

Problem: Für das Verfliesen eines 8 m²-Bads werden 40 Stunden berechnet.

Prüfung: Frag dich: Wie viele Handwerker waren wie viele Tage da? Stimmt das mit den Stunden auf der Rechnung überein?

3. Material zu teuer abgerechnet

Problem: Standardfliesen werden zum Premiumpreis abgerechnet.

Prüfung: Vergleiche die Materialpreise auf der Rechnung mit den Preisen im Baumarkt oder Online-Shop. Ein Aufschlag von 10–15 % ist üblich, mehr nicht.

4. Nachträge ohne vorherige Abstimmung

Problem: Zusätzliche Arbeiten, die nicht besprochen wurden, tauchen auf der Rechnung auf.

Dein Recht: Nachträge müssen vor Ausführung angekündigt und schriftlich bestätigt werden. Nicht genehmigte Nachträge musst du nicht bezahlen.

5. Anfahrtskosten überhöht

Problem: Pro Anfahrt werden 80 Euro berechnet – bei 15 Anfahrten sind das 1.200 Euro.

Prüfung: Waren 15 Anfahrten wirklich nötig? Hätte der Handwerker Arbeiten bündeln können? Anfahrtspauschalen sollten im Angebot vereinbart sein.

6. Abfallentsorgung doppelt berechnet

Problem: Entsorgung taucht als eigene Position und als Teil einer anderen Position auf.

Prüfung: Prüfe, ob Entsorgungskosten nicht bereits in den Einzelpositionen enthalten sind.

7. Falsche Maße

Problem: Die Fassadenfläche wird mit 180 m² angegeben, tatsächlich sind es 150 m².

Prüfung: Eigene Aufmaße zum Vergleich heranziehen. Fenster- und Türöffnungen müssen abgezogen werden (ab 2,5 m² laut VOB).

8. Mehrwertsteuer falsch berechnet

Problem: 19 % MwSt auf den bereits aufgerundeten Bruttobetrag.

Prüfung: Nettobetrag × 1,19 = Bruttobetrag. Nachrechnen!

So gehst du vor, wenn du Fehler findest

  1. Rechnung schriftlich beanstanden (E-Mail mit konkreten Punkten)
  2. Korrekte Rechnung anfordern mit Frist (14 Tage sind üblich)
  3. Unstrittigen Teil bezahlen – damit zeigst du Zahlungsbereitschaft
  4. Strittigen Betrag einbehalten bis zur Klärung
  5. Bei Nichteinigung: Handwerkskammer oder Schlichtungsstelle einschalten

Wichtig: Nimm die Rechnung nicht einfach hin. Du hast das Recht auf eine prüfbare, korrekte Rechnung. Und du musst nur das bezahlen, was vereinbart wurde.

Checkliste: Rechnung prüfen in 5 Minuten

  • Stimmen Name, Adresse, Steuernummer?
  • Sind Lohn und Material getrennt ausgewiesen?
  • Stimmen die Mengen (m², Stück, Stunden) mit dem Aufmaß?
  • Entsprechen die Einheitspreise dem Angebot?
  • Sind alle Nachträge schriftlich vereinbart worden?
  • Ist die MwSt korrekt berechnet?
  • Stimmt der Gesamtbetrag mit der Summe der Einzelpositionen überein?

Fazit: Vertrauen ist gut, Kontrolle spart Geld

Die meisten Handwerker rechnen ehrlich ab. Aber Fehler passieren – und bei Sanierungskosten von mehreren zehntausend Euro können auch kleine Fehler ins Geld gehen. Nimm dir die 15 Minuten für eine sorgfältige Prüfung. Das Geld, das du dabei sparst, ist gut investierte Zeit.